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  • Stadtverwaltung Bad Frankenhausen
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  • Stadtverwaltung Bad Frankenhausen
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  • 06567 Bad Frankenhausen

Öffnungszeiten

Di und Do 9.00-12.00 und 13.00-17.00
Telefonische Voranmeldung erwünscht

Archivleiter/in

Dr. Ulrich Hahnemann


  • ca. 300,0 lfm

    Bestand

  • 1310/1413-2000

    Laufzeit


Archivgeschichte

Der Versuch, einen umfassenden historischen Abriss zur Geschichte des Stadtarchivs Bad Frankenhausen zu verfassen, wurde bislang nur einmal unternommen - 1974 durch Stadtarchivar Paul Haselhuhn. Seinen Ausführungen zufolge befand sich dieses, bis auf wenige durch Brände und Verwüstungen verursachte Auslagerungen, in den Räumlichkeiten des Rathauses. Ende April 1525, die Ereignisse des Bauernkrieges erreichten jetzt auch Frankenhausen, erstürmten aufgebrachte Bürger der Stadt das Rathaus und setzten den Rat ab. In diesem Zusammenhang wird auch über die Vernichtung aufbewahrter Urkunden und Schriftstücke berichtet. Es ist der erste fassbare Nachweis über eine möglicherweise bereits zentrale Aufbewahrung städtischen Schriftgutes. Obwohl der Bauernkrieg und seine Auswirkungen noch heute erkennbare Spuren hinterlassen hat - aus der Zeit vor 1525 gibt es nur noch einige wenige Akten und Urkunden - datierte die älteste nachweisbare Urkunde aus dem Jahre 1310. Allerdings lassen sich deren Vorhandensein und ihr Inhalt heute nur noch anhand älterer Findhilfsmittel nachweisen. Auch nach den Begebenheiten des 16. Jahrhunderts haben immer wieder einschneidende Ereignisse den überlieferten Bestand in seiner Gesamtheit beeinflusst. Beträchtliche Bestandsverluste mussten nach dem Stadtbrand vom 15. Februar 1833 festgestellt werden, nachdem diesem Brand ebenso das um 1450 erbaute Rathaus vollständig zum Opfer fiel. Lediglich die in den Kreuzgewölben eingelagerten Bestände überstanden die Brandkatastrophe. Hier verblieben die Bestände auch, nachdem 1834 an gleicher Stelle das neue und heute noch stehende Rathaus erbaut wurde. Eine intensivere Aufmerksamkeit wurde den aufbewahrten Archivalien seit den Bekanntmachungen des Fürstlich Schwarzburg - Rudolstädtischen Ministerium des Innern von 1871 und 1873 zuteil, als es dringend anempfohlen wurde, sich um eine „sorgfältige Erhaltung von schriftlichen Denkmalen aus früherer Zeit“ zu bemühen. 1905, als das Rathaus einer umfassenden Sanierung unterzogen wurde, entschloss sich der Stadtrat zu einer völligen Neuordnung des Stadtarchivs, wofür beträchtliche finanzielle Mittel bewilligt wurden. Für die 1906 begonnene Neuordnung hatten die Stadtväter den Archivar Dr. jur. von Wurmb gewinnen können. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr das Archiv auch ein größeres öffentliches Interesse. Zahlreiche, zum Teil namhafte Autoren nutzten die Bestände zu Forschungen und daraus resultierenden Veröffentlichungen. Unter ihnen Archivrat Gerd Freiherr von Ketelhodt, der eine detaillierte Stadtgeschichte veröffentlichte. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte nicht nur Verluste am Bestand, sondern eine kurze Zeitspanne einer ungeordneten Archivarbeit. Seitens der Archivare wurden unterschiedliche Methoden der Archivierung angewendet. In den 60er Jahren orientierte man sich am heutigen Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden, seit den 70er und 80er Jahren nahmen die Stadtarchivare die Hilfe des jetzigen Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar und des Thüringischen Staatsarchivs Rudolstadt in Anspruch. Aus diesen Zeiträumen stammen im Wesentlichen auch die zurzeit zur Verfügung stehenden Findhilfsmittel. Während des gesamten Zeitraumes beruhte die Tätigkeit der Archivare auf ehrenamtlicher Arbeit mit finanzieller Entschädigung. Als der letzte von ihnen, Stadtarchivar Werner Adler, 1992 sein Ehrenamt aufgab, lag die Betreuung des Archivs zunächst in den Händen städtischer und über ABM eingestellter Mitarbeiter. Da eine umfangreiche Sanierung des Rathauses bevorstand, wurden 1996 die Bestände ausgelagert. Einen Teil des historischen Archivgutes, ca. 50%, übernahm auf der Grundlage eines Leihvertrages das Kreisheimatmuseum Bad Frankenhausen. Dadurch wurde zumindest teilweise eine öffentliche Nutzung gewährleistet. Ein zweiter Teil musste in anderen städtischen Räumlichkeiten eingelagert werden.
Seit dem vergangenen Jahr besitzt das Stadtarchiv ein neues Zuhause außerhalb des Rathauses. Es wurde in den oberen Räumlichkeiten des sanierten Marstalles neben dem Stadtschloss der ehemaligen Fürsten von Schwarzburg - Rudolstadt und seit 2002 Sitz der Stadt- und Kurbibliothek J.F.W. Zachariä untergebracht. In diesem Zusammenhang wurde die Stelle des Archivars ab 1. September 2002 hauptamtlich besetzt. Auf Grund der angespannten Haushaltslage der Stadt - wie wahrscheinlich überall, nicht nur in Thüringen - erfolgt die Einrichtung des Archivs in mehreren Teilschritten. Noch im vergangenen Jahr wurden die ausgelagerten und nicht zugänglichen Bestände ins neue Archiv überführt. Die im Museum eingelagerten Bestände werden in diesem Frühjahr folgen. Einzig die umfangreiche und zum Bestand des Stadtarchivs gehörige Ratsbibliothek verbleibt auf der Grundlage eines Leihvertrages und aus Platzmangel im Kreisheimatmuseum. Die so genannte Ratsbibliothek umfasst im Wesentlichen die Buchbestände der historischen Schulbibliothek, die 1884 ins Rathaus gelangten, beständig erweitert und vervollständigt und 1905 erstmalig dem Archiv angegliedert wurden. Sie besteht aus mehr als 6000 Bänden, beginnend mit Veröffentlichungen des 16. Jahrhunderts. Hinzu kommen Zeitungen (z.B. „Wöchentliches Frankenhäuser Intelligenzblatt“ und „Frankenhäuser Zeitung“), Zeitschriften und eine Sammlung von Reichstagsabschlüssen.
Der Gesamtbestand des Archivs, ungeachtet der Bestände der Ratsbibliothek, umfasst gegenwärtig mehr als 300 laufende Meter Schriftgut. Die älteste Akte wurde im Jahre 1413 eröffnet. Dabei handelt es sich um einen Band der Frankenhäuser Stadtrechnungen. In den Bestand integriert sind auch Teile von Gemeindearchiven einst selbständiger Dörfer, die heute Ortsteile der Stadt Bad Frankenhausen bilden. Das betrifft die Gemeinden Seehausen und Udersleben.
Die aus kulturgeschichtlicher Sicht wertvollsten Stücke befinden sich im Bestand „Pfännerschaft“. Unter dem Namen „Pfännerschaft“ verbergen sich die Unterlagen der ehemaligen Betreiber der Frankenhäuser Salzsiedestätten, die Pfänner. Ihre Unterlagen gehörten ursprünglich nicht zum Bestand des Archivs, sondern wurden eigenständig verwaltet. Sie weisen kaum Verluste auf. Zu diesen Beständen gehören u.a. die Frankenhäuser Salzordnung von 1601 und die „Verneuerte Bergk - Ordnung“ der Grafen von Schwarzburg von 1686. Die Zeitspanne von 1451 bis 1943 umfassend befinden sich in diesem Bestand weit mehr als 1500 Akten und Schriftstücke, die Auskunft über Frankenhausens einst wichtigsten Wirtschaftszweig, den Salzhandel, geben.