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Postanschrift

  • Stadtverwaltung Heilbad Heiligenstadt, Stadtarchiv
  • Marktplatz 15
  • 37308 Heilbad Heiligenstadt

Dienstanschrift

  • Stadtverwaltung Heilbad Heiligenstadt, Stadtarchiv
  • Petristraße 32
  • 37308 Heilbad Heiligenstadt

Öffnungszeiten

Dienstag und Donnerstag 09:00-12:00 Uhr und 13:00-15:00 Uhr
sowie nach Vereinbarung

Um eine vorherige telefonische Anmeldung wird gebeten.

Archivleiter/in

Anne Hey M.A.


  • ca. 1100 lfm (einschl. Zwischenarchiv ca. 400 lfm)

    Bestand

  • 1335 / 1554 / 1634 / 1660-2012

    Laufzeit


Archivgeschichte

Die nachvollziehbare Geschichte des Heiligenstädter Stadtarchivs beginnt mit einem traurigen Datum, dem 1. März 1739. An diesem Tag brach in der Windischen Gasse, Ecke Steinstraße ein Feuer aus. Der Wind tat das übrige und am Ende des Tages waren von den 600 Häusern in der Stadt 405 zerstört.
Eines von diesen war das Rathaus, dessen wuchtige Mauern dem Brand zwar trotzten, dessen Dachkonstruktion jedoch Feuer fing, einstürzte und dafür sorgte, dass auch dieses Haus komplett ausbrannte. Mit dem Gebäude verbrannten auch nahezu alle städtischen Akten, die traditionsgemäß im Rathaus aufbewahrt wurden. Eine der wenigen Ausnahmen war die Heiligenstädter Willkür, die gerade noch vor den Flammen gerettet werden konnte.

Anfänge archivischer Tätigkeit
Mit dem Bau des neues Rathauses wurde auch der Platz geschaffen, an dem die neue Aktensammlung der Stadt angelegt wurde. Hier bewahrte man die sich mit der Zeit mehrenden Bestände mehr oder weniger fachgerecht auf. Einer der ersten, die sich mit den Beständen des Archivs wissenschaftlich auseinandersetzten, war der Heiligenstädter Jesuit Johann Wolf. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts begann er seine Studien, die im Jahr 1800 in seinem Buch „Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt“ veröffentlicht wurden.
In den 1880er Jahren wurde der Heiligenstädter Seminarlehrer Christian Werner (1848-1909) vom Magistrat des öfteren um Rat gebeten, wenn das Archiv betreffende Anfragen bei der Stadtverwaltung eingingen. Eine feste Stelle für einen Archivar gab es allerdings nicht. Nachdem ein nachweislich in den 1890er Jahren vorhandenes Verzeichnis der im Stadtarchiv befindlichen Urkunden verlorengegangen war, sahen sich die Stadtväter endgültig genötigt, gegen die Unordnung in ihrem Archiv vorzugehen. In einem Protokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 9. August 1901 heißt es: „Das städtische Archiv ist so wenig geordnet, daß es unmöglich ist, dasselbe zu benutzen. Es ist deshalb unumgänglich nothwendig, einer geeigneten Persönlichkeit den Auftrag zu ertheilen, die vorhandenen Akten und Urkunden nach bestimmten Gesichtspunkten zu ordnen und ein Verzeichniß derselben anzulegen.“ Die hierzu erforderlichen Kosten wurden von den Stadtverordneten einstimmig bewilligt. Als geeignete Person wurde der Franziskanerpater Maternus Jungmann (1871-1915) vom Kloster Hülfensberg gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Provinzialats hatte Jungmann am 25. September 1901 bereits erfreut und interessiert zugesagt. Da die Ordensleitung der Arbeit jedoch ablehnend gegenüberstand, musste Pater Maternus am 10. Oktober 1901 eine Absage an den Magistrat der Stadt verfassen.
Bei dringenden Problemen wurde nun der Betreuer des Archivs des Bischöflichen Geistlichen Kommissariates zu Heiligenstadt, Pfarrer Philipp Knieb (1849-1915), zu Rate gezogen. Er erklärte sich auch bereit, die geplante Ordnung des Bestandes vorzunehmen. Ob und in welcher Form dies erfolgt ist, lässt sich anhand der Akten heute allerdings nicht mehr ersehen. Eventuell wurde die preußische Fadenheftung, die viele Akten des Altbestandes aufweisen, unter seiner Regie im Archiv eingeführt. Möglicherweise zeichnete hierfür aber auch der Historiker Dr. Johannes Müller (1884-1957) verantwortlich, der mit einigen Helfern nach dem ersten Weltkrieg eine genaue Sichtung der Materialien vornahm. Er sorgte bei den durchweg unsignierten Beständen zumindest für eine flüchtige Ordnung. Dr. Müller gilt heute als Retter des wenigen noch vorhandenen Altbestandes, denn nur durch seine Intervention wurde das in einem feuchten Kellerraum lagernde, stark angegriffene Archiv vor der vollständigen Vernichtung bewahrt. Er sorgte dafür, dass die Akten in einen trockenen Raum verbracht wurden. Erst 1939 wurde beim Umbau des Rathauses im zweiten Obergeschoß ein eigener Archivraum geschaffen. Doch auch dieser war wenig ideal.

In den Jahren 1940 bis 1943 wurde das Heiligenstädter Stadtarchiv auf Veranlassung der Archivberatungsstelle der Provinz Sachsen in Magdeburg durch Dr. Lotte Knabe neu geordnet. „Dabei wurden weitgehend die nichtarchivwürdigen Akten und Kassenbücher kassiert; leider mußten dabei auch die Belege des Waisenhauses von 1786, sowie die Belege zur Forstrechnung von 1797 und 1798 ausgeschieden werden, da sie völlig durch die frühere schlechte Lagerung durch Wasser zerstört waren“, erläuterte Dr. Knabe am 9. September 1943 im Vorwort des von ihr erstellten ersten Findbuches.
„Unter den losen Akten fand sich eine Aufstellung der um 1760 vorhandenen Kämmereirechnungen und Belege, die eine Nachprüfung des noch nicht vorhandenen Bestandes erlaubte. Bis auf die dort aufgeführte Rechnung samt Belegen von 1747 sind noch alle damals aufgeführten Rechnungen und Belege erhalten. Neben dem unverschuldeten Verlust durch den großen Brand von 1739 muß aber leider vergangenen Generationen der Stadtverwaltung der Vorwurf gemacht werden, daß das Archiv durch mangelndes Interesse und schlechte Verwaltung sowie durch falsche Lagerung schwer in seinem Bestand gelitten hat“, kritisierte sie. „Die völlige Neuordnung und dadurch erreichte Benutzbarkeit und Erschließung der Archivbestände für die Belange der Stadtverwaltung und für die Heimatforschung wird hoffentlich den Wert des Archives so stark heben, daß es nach langer Wanderschaft und oft unzweckmäßige Unterbringung noch einmal in einem seiner Größe und seinem Wert entsprechenden Archivraum Aufnahme findet.“
Vorerst übernahm der Heiligenstädter Standesbeamte Schneider nebenamtlich die Betreuung des Archivs. Auf seine Bitte hin wurde 1943 auch eine detaillierte „Dienstanweisung für den Stadtarchivar bzw. Verwalter des Stadtarchivs“ ausgegeben.
Während bereits im September 1943 erste Akten im Luftschutzkeller gelagert wurden, aber noch für die Akteneinsicht zur Verfügung standen, wurden die Bestände 1944 durch ihre kriegsbedingte Auslagerung ins Forsthaus Iberg bei Kalteneber für Benutzer wieder unzugänglich. Erst 1947 kehrten die Akten ins Rathaus zurück.

Neubeginn nach dem II. Weltkrieg
Nach dem Krieg erfolgte die Betreuung des Archivs bis 1956 ehrenamtlich durch Dr. Johannes Müller, den Leiter des auf seine Initiative hin gegründeten Eichsfelder Heimatmuseums Heiligenstadt. Ein weiterer Bestandsaufbau erfolgte nicht, und so sammelten sich die aus den Abteilungen ausgeschiedenen Altregistraturen seit etwa 1930 im Stadtarchiv, dem darüber liegenden Dachboden und in den Abteilungen, wozu zusätzliche Schränke aufgestellt werden mussten.
„Die wild gelagerten Altregistraturen lagen ohne Ordnung und ordentliche Übergabe in Massen umher, so daß noch keine Übersicht besteht, in welchem Umfange in den Jahren 1945 bis 1946 Akten durch die Besetzung des Rathauses durch die Besatzungsmächte abhanden gekommen sind. So wurden zum Beispiel einige Altregistraturen durch ein Archivfenster auf den Marktplatz geworfen, die dann von beherzten Angestellten gerettet wurden. Sicher ist dabei vieles abhanden gekommen, unter anderem fehlen auch die Zeitungsbestände von 1930 bis 1945, welche angeblich von der Polizei beschlagnahmt wurden“, schildert der erste hauptamtliche Heiligenstädter Stadtarchivar, Egon Grohmann, die Situation im Vorwort des von ihm erstellten zweiten Findbuches am 7. Juli 1961. Im Zusammenhang mit dem Kriegsende wird auch von der Vernichtung von rund 890 Kilogramm „Altpapier“ aus der Verwaltung berichtet. Am 14. Juni 1945 wurden diese Akten vom damaligen Stadtdiener Welke in der Heiligenstädter Papierfabrik abgeliefert, wo sie schließlich eingestampft wurden. Dies dürfte auch eine Erklärung für die schlechte Aktenüberlieferung der Jahre 1933-1945 sein.
Unter der Leitung Egon Grohmanns wurde das Archiv erneut geordnet, und es fand, soweit es die Umstände zuließen, die Sicherung der Bestände statt. Enorm war allerdings auch die Anzahl der von Grohmann kassierten Akten. Am 21. August 1957, also nur eineinhalb Jahre nach seiner Anstellung, hatte der Archivar bereits 2,5 Tonnen „Altpapier“ aus dem Archiv abgegeben. Die Sichtung von rund 12.000 Akteneinheiten stand allerdings zu diesem Zeitpunkt erst noch aus. Welche Unterlagen bei diesen Kassationen vernichtet wurden, ist leider nicht mehr vollständig nachzuvollziehen.
Grohmann behielt die 1943 fertiggestellte Ordnung des Altbestandes bei und vergab neue Signaturen für die von ihm bearbeiteten Bestände ab dem Jahr 1943. Die in den Jahren 1957 bis 1977 an das Stadtarchiv abgegebenen Akten wurden von Grohmann gesichtet und archiviert. Über diese Bestände gibt das im Jahr 1977 fertiggestellte Findbuch III Auskunft. Bei der Sichtung der Eingänge sonderte Grohmann weitere drei Tonnen „nichtarchivwürdige Akten“ aus und überließ sie der Heiligenstädter Papierfabrik zur Weiterverwertung.

Umzug in archivgerechte Räumlichkeiten
Nachdem Egon Grohmann, der seit dem 1. Januar 1979 auch als Kreisarchivar für den Kreis Heiligenstadt tätig war, am 31. Dezember 1990 nach 44 Jahren im Stadtarchiv in den Ruhestand ging, übernahm Alfred Abel am 1. Februar 1991 das Amt des Stadtarchivars. Abel versah den als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ausgelegten Posten bis zum September 1993. Von 1993 bis 1995 war Angelika Anhalt für das Archiv zuständig. Unter ihrer Leitung zog das Stadtarchiv im Jahr 1994 schließlich in das Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs um, in welchem es sich noch heute befindet. Nach ihrem Ausscheiden wurde Günter Siegl 1995 als neuer Stadtarchivar angestellt. Siegl nahm eine Sichtung der seit 1990 an das Archiv abgegeben Akten vor und sorgte für eine Ordnung dieses Bestandes. In seiner Amtszeit erfolgte die Verfilmung des Zeitungsbestandes bis 1949 und einiger bedeutender Altbestände. Außerdem fertigte er Findhilfsmittel für die Neubestände an. Für die nach der Eingemeindung an das Archiv abgegebenen Akten der Gemeinden Kalteneber, Rengelrode, Günterode und Flinsberg erstellte Siegl gesonderte Findbücher. Nach der Pensionierung Siegls im Juni 1999 war mit Thomas T. Müller erstmals ein Historiker für das Heiligenstädter Stadtarchivs verantwortlich. Kontinuierlich wurde seitdem die Sicherung, Revision und Neuerfassung des Altbestandes betrieben und eine Neuordnung der jüngeren Bestände vorgenommen, um eine einfachere Benutzbarkeit zu gewährleisten. Außerdem wurde in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme u. a. die Archivbibliothek geordnet und erfasst. Seit Dezember 2005 leitet Anne Severin das Stadtarchiv.


Anmerkungen:
Thomas T. Müller: Das Stadtarchiv Heiligenstadt – Seine Geschichte und seine Bestände. In: Blätter des Vereins für Thüringische Geschichte 10 (2000), Heft 1, S. 34-39.