Laufzeit

1959 bis 1999

Umfang

8 lfm.

Findmittel

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Inhalt

Stephan Schack wird 1964 in Jena geboren. Sein gesamter Lebenslauf ist durch hohes sozialpolitisches Engagement geprägt. Aus seiner Dienstzeit als Bausoldat bei den Baueinheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) in Prora von Mai 1984 bis Oktober 1985 ist die gesamte Korrespondenz Schacks überliefert, die er als Vertreter der Proraer Bausoldaten verfasst. Hier finden sich Beschwerden, Briefe und Eingaben an verschiedene Ministerien zur Problematik Frieden und Abrüstung, insbesondere zum Abkommen zur Errichtung einer C-Waffenfreien Zone in Europa sowie Erfahrungs- und Situationsberichte, gerichtet an die Teilnehmer des Bausoldaten-Treffens 1984 und die Teilnehmer der Friedensdekade 1984. In großem Umfang sind im Bestand Offene Briefe und Eingaben an die Evangelischen (Ev.) Landeskirchen und den Bund der Ev. Kirchen in der DDR zur Thematik Friedensengagement der Kirchen im Allgemeinen und Forderung der stärkeren Begleitung und Seelsorge der Bausoldaten im Besonderen enthalten. Aus staatlicher Sicht dokumentiert ist dieses Engagement in einer Fachschulabschlussarbeit der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit von Roland Mehner aus dem Jahr 1986 mit dem Titel "Differenzierte Einschätzung der politisch-operativen Lage unter den Bausoldaten im Verantwortungsbereich der Abteilung MfNV zur Einschätzung des Grades der Ausprägung von Merkmalen der politischen Untergrundtätigkeit".

Als Konsequenz der Erfahrungen des waffenlosen Wehrdienstes gründet Schack im Jahr 1985 den Arbeitskreis Wehrdienstfragen (AKW) beim Stadtjugendpfarramt Jena, dessen Arbeitsschwerpunkte die Durchführung von Vorbereitungswochenenden für Wehrpflichtige, die Erarbeitung einer innerkirchlichen Arbeitshilfe für die Seelsorge an Wehrpflichtigen "Du sollst nicht töten, aber wie dann leben", die Erarbeitung von Entscheidungshilfen vor der Musterung, bis hin zur Mitarbeit am Gesetzentwurf für den Zivildienst in der DDR von 1990 sind. Sämtliche Unterlagen des AKW wie Positionspapiere, Arbeits- und Informationsmaterialien, Sitzungsprotokolle, eine Ausstellung des Arbeitskreises u.v.m. sind überliefert. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Korrespondenz mit allen kirchlichen und freikirchlichen Institutionen der DDR von 1985 bis 1989 und die daraus hervorgegangene umfassende Sammlung seelsorgerischen Arbeitsmaterials zum Thema Wehrdienst in der DDR.

In den Jahren 1988 bis 1989 ist Schack als Delegierter der Ev.-Luth. Kirche in Thüringen an der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Kirchen in der DDR als Leiter der Arbeitsgruppe Wehrdienstfragen beteiligt. Im Jahr 1990 wird Schack als Angestellter der Stadt Jena im Bereich Zivildienst und später beim Bundesamt für den Zivildienst tätig. In der Folge ist er im April 1990 an der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in der DDR beteiligt, dessen Landesgeschäftsführer er wird. Im Jahr 2004 erarbeitet Stephan Eschler (geb. Schack) gemeinsam mit Uwe Koch die Publikation "Zähne hoch - Kopf zusammenbeißen. Dokumente zur Wehrdienstverweigerung in der DDR 1962-1990". Die Originaldokumente und Kopiervorlagen dieser Publikation befinden sich im Depositum, ebenso die zu Forschungszwecken von Detlef Hutschenreuter an Schack übergebene Briefsammlung von und über Bausoldaten aus den Jahren 1984 bis 1987.

Weiterhin gehören zum Bestand zahlreiche Materialien der vormilitärischen Wehrerziehung von Kindern und Jugendlichen durch die Pionierorganisation der DDR und Lehrmittel für die sozialistische Erziehung an den Schulen, die Schack nach 1990 im ehemaligen Haus der Pioniere "Erich Weinert" Jena sichert. Hierzu gehören Materialien aus dem Militärpolitischen Kabinett des Pionierhauses, so das Gästebuch, eine Tafelausstellung zur NVA, Militärspielzeug, Uniformen, eine Lichtpunktschießanlage und Manöverspiele. Außerdem sind hier zahlreiche Lehrmittelsätze von DIA-Reihen und Lehrfilmen, die in den Schulen, insbesondere in den Schulfächern Geschichte, Staatsbürgerkunde, Heimatkunde, aber auch im Schulhort zum Einsatz kamen sowie eine Büste vom Namensgeber der Pionierorganisation Ernst Thälmann überliefert.

Ebenfalls im Depositum enthalten ist eine kleine Samisdatsammlung mit "Pechblende", "Depressionen einer Landschaft", "Vierzig Jahre sind genug" und "Grenzfall".