Laufzeit

1964 bis 2021

Umfang

3,5 lfm.; Fotosammlung

Findmittel

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Inhalt

Die Sammlung von Aribert Rothe, Jahrgang 1952, bildet dessen gesamte Jugend- und Erwachsenenarbeit als evangelischer Theologe ab, insbesondere aber sein herausragendes Umweltengagement als Kreispfarrer für Stadtjugendarbeit in Erfurt von 1984 bis 1992.
Aus seiner ersten Pfarrstelle in der Evangelisch-Lutherischen Michaelisgemeinde Leipzig von 1978 bis 1984 stammen Ordner aus der Jugendarbeit und der Beginn der Sammlung kritischer kirchlicher Druckschriften und Samisdat wie „Streiflichter“ der Arbeitsgruppe Umweltschutz im Stadtjugendpfarramt Leipzig von 1981 von 1989, „Anstöße“ des Kirchlichen Forschungsheim Wittenberg (KFHW) von 1982 bis 1986 und „Briefe. Zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde“ des KFHW von 1982 bis 1991.

Ab 1984 baut Rothe in Erfurt die OASE der evangelischen Stadtjugendarbeit auf, welche gleichzeitig Sitz des Stadtjugendrates wird. Er initiiert die Umweltgruppe OASE aus unmittelbarer Betroffenheit der Smogsituation. Anlass gibt die Friedensdekade 1984 „Bewahrung der Schöpfung“, die erstmals ökologische Fragen innerhalb dieser Veranstaltungsreihe thematisiert. In der OASE bilden sich mehrere altersstrukturell bedingte Umweltgruppen, welche am monatlichen „Grünen Abend“ zusammenkommen. Hier wird auch eine von Rothe zusammengetragene Bibliothek mit Samisdat, Westliteratur, Antiquarischem und Textsammlungen zu Umweltthemen wie Klima/ Ozon, Luftverschmutzung, Wald, Landwirtschaft, Energie und Verkehr, aber auch zu Gesetzen und Rechten der DDR zugänglich gemacht. Außerdem erarbeiten sie praktische Hinweise wie die Arbeitshilfe „Umweltschutz im Haushalt“, die Wanderausstellungen „Schöpfungselement Wasser“, „Schöpfungselement Luft“, „Schnappschüsse beim Luftschnappen“, Kofferausstellungen wie „Rückkopplungen“ und einen Ökokalender. Aber auch thematisch anders ausgerichtete Arbeitsgruppen (AG) entstehen hier, wie die AG zu Glaubens- und Erziehungsfragen mit Sigrid Rothe, die AG Schulreform/ Bildungsreform, ab Frühherbst 1988 die AG Wahlen und ad-hoc-Gruppen zu Veranstaltungen. Zudem gibt es Literaturabende, das Lesecafé und Ausreiseabende in der OASE. Überlieferte Materialien dieser AGs sind Ausstellungen, Plakate, Reader, Korrespondenz, Besucherbuch, Bücher, Samisdat und vieles mehr.

1985 wirkt Rothe in der Vorbereitung der 3. Tagung der X. Synode vom 16.6.1985 im Erfurter Augustinerkloster zum Thema "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" mit. Ein Arbeitsordner enthält unter anderem die DDR-weite Korrespondenz mit Friedens-, Umwelt- und Dritte-Welt-Gruppen, die Rothe zur Teilnahme am „Markt der Zukunftsmöglichkeiten“ einlädt.

Auch vorhanden sind die Arbeitsmaterialien aus der Mitwirkung bei der Vorbereitung kirchlicher Großereignisse wie der Jugendversammlung „Umkehr für weiter“ beim Landesjugendsonntag im Mai 1988 in Gotha, dem Kirchentag „Umkehr für weiter – durch anderen Lebensstil“ im Juni 1988 in Erfurt und der regionalen Ökumenischen Versammlung im Augustinerkloster Erfurt im November 1988.

Herausragend sind die Materialien aus der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Ökumenischen Luftseminare, welche jeweils im September 1988 und 1989 in der Stadtmission Erfurt stattfinden. Hier sind Plakate, Fotos, Umwelteingaben, die Matrizen vom Samisdat des 1. Luftseminars „Atem Not. Wie lange noch?“ (1988), der Samisdat „Das Erfurter Filterpapier“ 1989, ein Protestbrief an den Ministerrat der DDR von den Teilnehmern des 2. Luftseminars gegen die Verhinderung der Bildung des Neuen Forums und zahlreiches weiteres Arbeitsmaterial enthalten.

Von 1988 bis 1990 ist Rothe Regionalsprecher des Grün-ökologischen Netzwerkes arche. In der Sammlung befindet sich Samisdat der arche Berlin, Korrespondenz, das Protokoll des Gründungstreffens der Regionalgruppe Thüringen am 24.9.89 in Erfurt, das Plakat "Das Grün-Ökologische Netzwerk in den Ev. Kirchen arche Region Thüringen lädt ein zur Mitarbeit", das Rundschreiben von arche Thüringen zum Beitritt zur Grünen Liga in Erfurt am 9.2.1990 und Rothes Stimmkarte beim Gründungskongress.

Aus der Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Öko-Arbeitskreisen wie dem Ökologieseminar Schwerin 1987, dem evangelischen Einkehrhaus Bischofrod 1987 bis 2016, der Aktion Saubere Luft für Ferienkinder des Ökologischen Arbeitskreises der Dresdner Kirchenbezirke 1985 bis 1990, resultieren Informationen und Korrespondenzen. Auch Material zahlreicher weiterer Arbeitsgruppen in den Erfurter Gemeinden, wie dem Tansania-Arbeitskreis in der Thomasgemeinde 1988 bis 1992 sind vorhanden.

In den Jahren 1989 und 1990 wird Rothes Engagement zunehmend politischer. In der Sammlung spiegelt sich dies wider in Protesterklärungen, in Materialien der Bürgerbewegung Demokratischer Aufbruch, in Materialien der Bildungsreformbewegung Erfurt und in Zeitungsartikelcollagen zu Demokratisierung und Friedlicher Revolution, welche von September 1989 bis Januar als Aushänge an der Evangelischen Stadtmission Erfurt angebracht waren. Auch Material von der Teilnahme als Delegierter der DDR am 1. Grünen Parlament Europas (Strasbourg) im Juli 1990 ist dabei.

Ein von Aribert Rothe verfasster Lebenslauf, seine Biografie „Meine Zeit Geschichte“ und ein Interview von Henning Bühmann mit Aribert Rothe „Die Umweltbibliothek der Offenen Arbeit Erfurt vor und nach 1989“ ergänzen den Bestand.